Ökologie

So wird's was mit dem Elektroauto

Während sich Toyota vom reinen Elektroauto zumindest vorerst verabschieden will, gehen in Deutschland BMW und Audi den richtigen Weg. Und das kalifornische Unternehmen Tesla zeigt allen, wie es funktionieren kann, der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen.

Vielleicht dauert es doch nicht ganz so lange, bis Geschäftsreisende auch hier zu Lande mit reinen Elektro-Geschäftswagen ihrer Tätigket nachgehen können. Der Elektroauto-Pionier Tesla Motors hat aktuell seine "Supercharger"- Schnellladestationen vorgestellt. Die Solar-Stationen schaffen laut dem Unternehmen in 30 Minuten genug Akku-Ladung für drei Stunden Fahrt mit knapp 100 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Die ersten sechs Supercharger, die Stromüberschüsse ins Netz speisen, stehen in Kalifornien. Nun will Tesla Motors zunächst in Nordamerika wichtige Korridore wie den von Los Angeles nach New York mit solchen Schnellladestationen versorgen - und ab der zweiten Jahreshälfte 2013 auch in Europa und Asien, so das Unternehmen auf seiner Website. 

"Während in Deutschland viel und bürokratisch diskutiert wird, macht Tesla Nägel mit Köpfen", urteilt Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität (BEM) http://bem-ev.de, im Gespräch mit pressetext. "Solche Korridore machen enorm viel Sinn, wenn sie denn auch genutzt werden." In dieser Hinsicht sei es ein klarer Vorteil, dass hinter dem Projekt ein Elektroauto-Hersteller mit klarem wirtschaftlichem Interesse stehe.

Schneller Ökostrom. Das Supercharger-Netzwerk ist darauf ausgelegt, Langstreckenreisen per Elektroauto so bequem zu machen wie mit einem Beziner. Der zugrundeliegende Gedanke ist, dass die meisten Fahrer, die um 9:00 Uhr morgens starten, gegen Mittag ohnehin etwa eine halbe Stunde Pause für Mittagessen, Erfrischungen und das Auftanken machen - womit die drei Stunden Akkuladung in 30 Minuten, wie sie die Supercharger versprechen, einer praktischen Anforderung gerecht werden. Freilich ist das nicht das einzige Kriterium für sinnvolle Elektromobilität - denn stammt der Strom aus Kraftwerken, die fossile Brennstoffe nutzen, ist das ökologisch wenig sinnvoll.

"Wichtig ist, dass derartige Stationen regenerative Energien nutzen", betont Sigl. Tesla setzt dabei auf Solarstrom, den ein System von SolarCity solarcity.com liefert. Der Elektroauto-Hersteller gibt sich dabei überzeugt, dass jede Station im Jahresverlauf mehr Strom liefert, als von ladenden Elektroautos benötigt wird - es werde also letztlich ein Nettoüberschuss an das Netz abgeliefert. Das macht sich das Unternehmen zunutze, um Kunden mit einem besonderen Zuckerl zu locken: Besitzer eines "Model S" können demnach auf unbegrenzte Zeit kostenlos die Supercharger nutzen.

Wichtige Korridore. Tesla Motors will bis nächstes Jahr in Nordamerika wichtige Langstrecken-Korridore mit einem ausreichend dichten Netz an Schnelllade-Stationen versorgen. Schnellen, bequemen Elektroauto-Reisen von Vancouver nach San Diego, Miami nach Montreal und Los Angeles nach New York soll dann nichts mehr im Wege stehen. Ab der zweiten Jahreshälfte 2013 will das Unternehmen dann auch Europa und Asien mit Superchargern erschließen. Zwar spricht Tesla nur vom Laden seines Model S, doch der BEM-Präsident geht davon aus, dass auch andere Schnelllade-taugliche Fahrzeuge die Anlagen nutzen könnten. "Einen Adapter dazwischen und alles ist gut", so der Experte.

Auch hierzulande laufen schon Pilotprojekte zu Elektromobilitäts-Korridoren. Sigl verweist auf das Schaufenster "Elektromobilität verbindet Bayern und Sachsen" elektromobilitaet-verbindet.de, das zunächst München und Leipzig mit Ladegelegenheiten entlang der A9 verbindet. Längerfristig ist auch im Gespräch, die Modellstrecke über Leipzig hinaus nach Berlin sowie im Süden nach Salzburg und Wien zu verlängern. Die Frage ist, ob dieses Vorgehen wirklich effizient ist - oder ob ein rein unternehmerisch getriebener Ausbau durch Tesla auch in Europa letztlich mehr in Sachen Elektromobilität bewegen kann. teslamotors.com

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